Podcasting bezeichnet eine Internet-Technologie, mit der Dateien (meistens Audio / Video) systematisch zu den Endbenutzern transportiert werden. Diese Technologie wird in der Hochschullehre eingesetzt, um Studierenden aufgezeichnete Vorlesungen zugänglich zu machen. Im Video
http://blog.ilub.unibe.ch/?p=251
wird gezeigt, wie Podcasting in ILIAS initiiert wird und wie die Aufzeichnung im Hörsaal durchgeführt wird.
Technologie
Die Technologie zur Aufzeichnung von Vorlesungsfolien als Video mit der Stimme des/der Dozierenden ist einfach handhabbar und besteht aus zwei Vorbedingungen und nur drei Schritten im operativen Betrieb:
Erste Vorbedingung ist, dass Sie Ihre Vorlesung in ILIAS als sogenannten „Kurs“ führen (http://www.ilub.unibe.ch/content/ilias_kursantrag/). Die zweite Vorbedingung ist, dass Sie Ihre Vorlesung in einem Hörsaal halten, der bereits mit einem SWITCHcast-Aufzeichnungscomputer ausgerüstet ist (http://medeval.unibe.ch/s?347) oder Sie nehmen mit den Informatikdiensten der Universität Bern Kontakt auf, um eine allfällige Ausrüstung eines Hörsaales mit einer Podcast Infrastruktur zu überprüfen (podcast@id.unibe.ch).
Im operativen Betrieb müssen Sie einmalig in ihrem ILIAS-Kurs einen SWITCHcast-Channel hinzufügen und dann bei jeder Vorlesung, welche Sie als Aufzeichnung zu Handen der Studierenden publizieren möchten, den Aufnahmeknopf auf dem Bildschirm im Hörsaal klicken. Ist die Aufzeichnung fertig, bleibt der Titel der Vorlesung zu erfassen und der Publizieren-Knopf zu klicken. Optional kann die Aufzeichnung vorgängig noch online bearbeitet werden, z. B. zum Trimmen von Anfang und Ende. Diese Schritte werden häufig an Studierende delegiert.
Wer kann meine Vorlesungsaufzeichnungen sehen?
Sie entscheiden, wer die Vorlesungsaufzeichnung sehen darf. Die Studierenden treten Ihrem Kurs (Ihrer Vorlesung) in ILIAS bei. Diesen Beitrittsprozess können Sie steuern und überwachen, z. B. die Beitrittszahl limitieren, die Liste der angemeldeten Studierenden abrufen oder das Beitrittsverfahren mit einem Passwort schützen. Nur Studierende, die Ihrem Kurs in ILIAS erfolgreich beigetreten sind, können die Vorlesungsaufzeichnungen abrufen.
Termini und Kosten
Obwohl die Technologie sehr einfach zu handhaben ist, entbehrt die Terminologie nicht einer gewissen Üppigkeit, hier ein Mini-Glossar:
Podcasting bezeichnet das Anbieten von abonnierbaren Mediendateien (Audio oder Video) über das Internet. Das Kunstwort setzt sich aus der Markenbezeichnung iPod (einem populären tragbaren Video- und Musikabspielgerät von Apple) und Broadcasting (senden) zusammen. Die Markenbezeichnung iPod wiederum ist auch ein Kunstwort. Pod steht für einen Topf, ein Gehäuse, wo man Dateien speichern kann (vor allem Ton und Video) und das i kann für vieles stehen (Internet, individuell, instruieren, informieren, inspirieren) und ist zu einem Modepräfix geworden. Allerdings sind Podcasts auf allen Computern und vielen Handys abspielbar, nicht nur auf dem iPod.
ILIAS ist eine Software, welche Lehrenden und Lernenden die Zusammenarbeit im Internet ermöglicht, unter anderem den Austausch von Dateien, so auch Podcasts mit Vorlesungsaufzeichnungen. Die Universität Bern hat ILIAS installiert und es wir aktuell von rund 10‘000 Personen (Dozierende und Studierende) eingesetzt. Das Akronym steht für Integriertes Lern-, Informations- und Arbeitskooperations-System.
SWITCHcast: Die Stiftung SWITCH (The Swiss Education & Research Network) in Zürich ist seit 1987 Betreiber des Schweizer Wissenschaftsnetz der Hochschulen. Die Stiftung bietet den Schweizer Universitäten eine automatische Videoverarbeitung an – die Dienstleistung heisst SWITCHcast. Der Begriff ist eine Zusammensetzung aus dem Firmennamen und einem Teil des englischen Wortes für Sendung (Broadcast). ILIAS bedient sich im Hintergrund dieser Dienstleistung.
Kosten: Der SWITCHcast Dienst ist kostenpflichtig. Die Kosten werden zur Zeit von den Informatikdiensten der Universität Bern getragen, welche sich das Recht vorbehalten, zu einem späteren Zeitpunkt nach Vorankündigung die Kosten weiter zu verrechnen. Die Informatikdienste können Aufzeichnungen ablehnen.
Didaktik
Wir haben Ihnen einen Überblick zu Technologie und Prozesse für Vorlesungspodcasts gegeben, die zentrale Frage ist, wann macht Podcasting Sinn, was sind mögliche didaktische Szenarien?
Wir unterscheiden zwei Motivationsdomänen für Vorlesungsaufzeichnungen:
- die rein didaktische Motivation
- die Motivation mit organisatorischem Fokus
Wenn Vorlesungen als Aufzeichnungen erhältlich sind, können verschiedene organisatorische Probleme gelöst werden: überfüllte Hörsäle können entlastet werden, Studierende können bei Parallelveranstaltungen die verpasste Vorlesung nachsehen, Dozierende können bei – z. B. kongressbedingter – Abwesenheit einen Podcast vorproduzieren oder auf das Vorjahresarchiv zurückgreifen. Allerdings soll Podcasting nicht die Präsenzuniversität in Frage stellen, obwohl in der beschriebenen organisatorischen Domäne explizit die Lehre partiell in den virtuellen Raum verschoben wird – in den genannten Konstellationen sinnvoll –, aber im Rahmen einer sich zu Präsenzcurricula bekennenden Universität dezidiert komplementär.
An der Medizinischen Fakultät der Universität Bern werden die Vorlesungen der Studienjahre drei bis fünf annähernd vollständig als Podcasts angeboten. Das geplante didaktische Szenario: Nachsehen von Vorlesungen zwecks Prüfungsvorbereitung. Die Evaluation dieses Podcastings hat ergeben, dass die Realität dem didaktischen Szenario entspricht und dass die Zuhörerzahlen nicht zurückgegangen sind. Ein weiters spannendes didaktisches Szenario sind Nivellierungsvorlesungen, die nur als Podcast angeboten werden, damit die eigentliche Präsenzveranstaltung auf höherem und ausgeglichenem Niveau einsetzen kann. Solche Nivellierungsvorlesungspodcasts können in ILIAS mit Selbsttests (Formativem Assessment) verbunden und das Reüssieren im Selbsttest kann in ILIAS als Bedingung für den weiteren Kurszugriff konfiguriert werden. Als Nivellierungspodcasts können Vorlesungen dienen, die tatsächlich einmal vor Audienz gehalten und aufgezeichnet wurden, sie können aber auch im Studio des ILUB (info@ilub.unibe.ch) produziert werden.
Chancen und Gefahren
Podcasting eröffnet neue didaktische und organisatorische Optionen, Potential zu höherer Effektivität und Effizienz in der Lehre und zu neuen Qualitäten im Präsenzunterricht. Schattenseiten können sein, dass sich Dozierende durch die Aufzeichnung exponiert fühlen – an einer Vorlesung gemachte Fehler werden festgehalten –, dass das Lehren und Lernen im virtuellen Raum gefördert wird (was nicht per se eine schlechte Eigenschaft ist, aber eine gewisse Dissonanz im präsenzcurriculären Fokus). Dass infolge Podcastings die Hörerzahlen zurückgehen, wird oft befürchtet. Dies kann eintreten oder nicht oder es kann sogar erklärtes Ziel bestimmter Podcasting-Szenarien sein. Es gibt keine allgemeingültige Formel, wann Podcasting Sinn macht. Jedenfalls muss es den betroffenen Dozierenden zusagen und szenariogeleitet sein, es sollen also konkrete organisatorische und/oder didaktische Ziele damit verfolgt werden.